Pulverfass Naher Osten: Wir schlüpfen in die Rollen der UNO Mitgliedstaaten
2014: Der Bürgerkrieg in Syrien tobt seit drei Jahren und die Lage wird immer prekärer,v.a. für die Millionen syrischer Flüchtlinge. Der Islamische Staat hat mittlerweile eine große Fläche auf syrischem und irakischem Staatsgebiet erobert und baut seine Macht durch grausamen Terror aus. Gleichzeitig kämpfen in Syrien islamistische Rebellen gegen Präsident Assads syrische Armee, um den jahrzehntelangen Machthaber und sein Regime zu stürzen. Und mittendrin die kurdische Minderheit, die versucht ihre Autonomie auszubauen. Sofort mischen sich umliegende Staaten wie der Iran oder die Türkei ein, die entweder Partner oder Gegner der Konfliktparteien sind, aber auch die Chance wittern, ihren eigenen Einfluss in der Region auszuweiten. Ebenso die USA und Russland, die sogar militärisch eingreifen. Parallel dazu sieht sich Europa mit einer großen Anzahl an Flüchtlingen konfrontiert, die es zu koordinieren und zu schützen gilt. Ein Konflikt, der den gesamten Nahen Osten destabilisiert und der eine Einigung sehr schwierig macht. Ein gemeinsames Ziel gibt es jedoch: die Verdrängung des IS in der Region.
Ausgehend davon simulierten wir Schülerinnen und Schüler des Geschichte- und des PuG -Leistungskurses im Rahmen eines Planspiels der Bundeswehr eine Lösung des Konfliktes im UN-Sicherheitsrat:
Nachdem wir am Vortag des Planspiels von der leitenden Jugendoffizierin bereits eine Einführung in die Lage in Syrien und den Irak im Jahr 2014 und hilfreiche Informationen über die verschiedenen Konfliktparteien bekommen hatten, begann unser Tag, der 17. April 2026 direkt mit der Verteilung der Rollen der UN-Generalsekretärin, zweier Vertreter der Weltpresse sowie eines weiteren Repräsentanten der NGO Amnesty International. Im Anschluss zogen alle anderen ein Land (z.B. USA, Frankreich, Deutschland, Russland, Syrien, Irak oder den Libanon u.v.m.) per Los, welches wir dann für den Rest des Tages im UN-Sicherheitsrat vertraten.
Nach 45 Minuten Einlesezeit in unsere „Rolle“, eröffnete die UN-Generalsekretärin die Sitzung, welche mit jeweils 2-minütigen Reden der einzelnen Staaten begann. Darin sollten deren Standpunkte und Ziele in Bezug auf den Konflikt dargelegt werden. Daran schloss sich eine Fragerunde an, in der die anderen Länder sowie die Weltpresse und Amnesty International auch besonders kritische Anmerkungen und Fragen anbringen konnten.
Danach hieß die Aufgabe: Sicherheitsverträge miteinander schließen mit dem obersten gemeinsamen Ziel der Zerschlagung des IS und der Herstellung eines Friedens in der Region. Wie der Weg dorthin aussehen sollte, darin unterschieden sich „unsere“ Meinungen teils gewaltig, sodass es zu zahlreichen hitzigen Diskussionen kam. Als unsere Verträge in der nächsten Phase des Planspiels dann auf den Prüfstand gestellt wurden und wir die in den Abkommen und Bündnissen versprochenen finanziellen, militärischen und humanitären Ressourcen entsprechend stationieren und verteilen mussten, waren noch einmal unsere diplomatischen Fähigkeiten gefragt, um v.a. das oberste gemeinsame Ziel der Verdrängung des IS aus der Region zu erreichen. Trotz zahlreicher Herausforderungen und auch dem ein oder anderen internationalen Rechtsbruch, konnten wir dieses Vorhaben schließlich erfolgreich abschließen. Das Planspiel war somit ein unglaublich bereichernder Tag für uns alle, da wir realitätsnah die Herausforderung eines komplexen Konflikts annehmen und gemeinsame Lösungen finden mussten. Dabei lernten wir, wie wichtig gute Kommunikation, Kooperation und v.a. humanitäre Hilfe ist, um das eine zu erreichen, was wir Menschen doch eigentlich alle gemeinsam haben: Den Wunsch nach Frieden und einem guten Leben. (Antonia Frey Q12)
